Warum die Platte wichtiger ist als die Münze
Die häufigste Frage nach Turnieren lautet: Welche Münze nimmst du? Die ehrliche Antwort ist langweilig. Im Wettkampf drehen alle mit der 2-Euro-Münze, und die Unterschiede zwischen den Prägungen sind winzig. Was über Zehntelsekunden entscheidet, passiert woanders.
Die Oberfläche
Eine Glasplatte wirkt glatt, aber jeder Fingerabdruck und jedes Staubkorn bremst die Münze. Ich reinige die Platte vor jedem Versuch mit einem Mikrofasertuch, immer in einer Richtung. Schon ein leichter Fettfilm kostet nach meinen Messungen bis zu eine halbe Sekunde.
Die Temperatur
Kalte Platten sind schneller. In warmen Hallen merkt man das deutlich, deshalb wird bei Weltmeisterschaften die Plattentemperatur vor jeder Runde gemessen. Im Training versuche ich, unter möglichst ähnlichen Bedingungen zu drehen wie im Wettkampf.
Der Startwinkel und der Impuls
Die Münze sollte beim Anstoß fast senkrecht stehen. Je schräger sie startet, desto früher beginnt sie zu taumeln. Den Impuls setze ich mit dem Mittelfinger gegen den Rand, während Daumen und Zeigefinger die Münze nur stabilisieren. Danach heißt es: Finger weg. Nach dem Anstoß darf weder Münze noch Platte berührt werden.
Das Geräusch am Ende
Kurz bevor eine Münze flach liegt, wird das Geräusch auf dem Glas immer schneller und höher. Physikalisch ist das vom Euler-Kreisel bekannt. Für mich ist dieser Moment der spannendste des ganzen Versuchs, weil man genau hört, ob es eine gute Zeit wird.