Titelverteidigung in Vilnius: So bereite ich mich vor

Von Chris Marlons, amtierender Weltmeister im Münzdrehen ·

Am 14. und 15. November 2026 wird in Vilnius der neue Weltmeister im Münzdrehen gekrönt. Ich fahre als Titelverteidiger hin, zum ersten Mal mit der Nummer 1 der Weltrangliste auf der Startliste. Viele fragen mich, ob das Druck macht. Ehrlich gesagt: weniger als 2021. Damals wollte ich beweisen, dass ich gewinnen kann. Heute weiß ich, dass ich es kann, und konzentriere mich auf die Abläufe.

Weniger Versuche, mehr Qualität

Früher habe ich an guten Tagen 400 Drehungen trainiert. Heute sind es selten mehr als 120. Jede wird gemessen und notiert: Startwinkel, Plattentemperatur, Zeit. Nach 120 Versuchen lässt die Feinmotorik in Daumen und Zeigefinger messbar nach, und schlechte Wiederholungen trainieren schlechte Gewohnheiten.

Material

Ich trainiere mit derselben Glasplatte, die bei Weltmeisterschaften verwendet wird, 60 mal 60 Zentimeter. Bei den Münzen wechsle ich wöchentlich zwischen mehreren 2-Euro-Stücken aus verschiedenen Ländern. Im Wettkampf bekommt man eine Münze zugelost, und die Prägungen unterscheiden sich minimal im Gewicht der Ränder. Wer nur mit einer Lieblingsmünze trainiert, erlebt in der Finalrunde eine Überraschung.

Der Plan bis November

Bis Mitte Oktober liegt der Fokus auf Konstanz, also möglichst geringer Abweichung zwischen meinen drei Versuchen. Danach simuliere ich zweimal pro Woche komplette Wettkampfrunden mit Zeitnehmer. Die letzten zehn Tage vor Vilnius drehe ich kaum noch. Das klingt seltsam, aber frische Finger sind im Finale mehr wert als ein letzter Trainingsblock.

Die offizielle Startliste veröffentlicht Coin Spinning International im Oktober. Ich melde mich hier wieder, spätestens aus Vilnius.

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